LUST AUFS BESONDERE
Die außergewöhnlichen Bergweine der
Domaine du Cros vom Rand der Auvergne

Industrialisiertes Weinmachen führt zu einem ähnlichen Ergebnis wie Werbefotos, von denen die Adressaten mit einer solchen Flut makelloser Bilder überschüttet werden, dass viele denken, die ganze Welt sähe so aus. Auf den Wein bezogen heißt das, die von Besonderheit und Eigenständigkeit befreiten Weine werden zunehmend als Prototypen von Wein überhaupt dargestellt und schließlich auch empfunden.
Was geschmacklich Eigenheit und Differenz beim Wein sein könnten, und damit der Grund, sich von der Verpackung absehend, für eine bestimmte Flasche im Regal zu entscheiden und nicht für die rechts oder links daneben, verschiebt sich heute immer weiter in den Bereich von "life-style" und seiner Darstellung: Der Sekt im Bauchnabel der Dame ist der Grund, ihn zu kaufen, nicht sein Geschmack. Bei dem kommt es nur noch darauf an, dass er niemanden stört. Und am Besten ist es, wenn er ALLEN gefällt. (Ein Wein, den Milliarden Menschen trinken: das Phantasma des Großproduzenten.)
Der geschmackliche Kitsch, der dabei entsteht, gleicht den industriell herstellten Kaufhausgemälden mit gleißenden Sonnenuntergängen in Neonfarben oder dem "airbrush-painting", das einem von Motorhauben entgegen springt. Solche Kunst hat etwas - hart ausgedrückt - "dümmlich Tröstendes". Ihr ist das Bestreben gemeinsam, auf keinen Fall die Intensität oder die Qualität des Inhalts und seiner Einzelteile zu steigern, so dass der Betrachter verweilen, wahrnehmen und mit einem Mehr an Erfahrung daraus entlassen werden könnte.
Das gilt auch für Weine bei denen der Hersteller den kleinsten gemeinsamen Nenner von: "das schmeckt allen" ansteuert, Geschmack für Alle sucht. Ein banaler, stromlinienförmig gemachter Wein ohne Profil enthält deswegen auch eine mehr oder weniger versteckte Aufforderung zum Saufen. Er fließt nämlich aufgrund seines glattgeschmirgelten Charakters bei dem sich die Empfindungen bestenfalls in Wohlgefallen auflösen, in rasantem Tempo seinem Ende entgegen: und schon ist die Flasche leer.
Dass es auch anders geht, beweisen die vielen gestandenen wie die vielen jungen Winzer, die stilvolle und eigenständige Weine machen - es vielleicht auch gar nicht anders können. Denn sie wissen und haben gelernt mit der Besonderheit ihrer vorgefundenen oder gestalteten Bedingungen umzugehen, das Spezifische herauszuarbeiten und nicht zuletzt sich selbst, mit ihrem eigenen Stilempfinden, dem Wein einzuschreiben.
Im Südwesten Frankreichs, keine zwanzig Kilometer von Rodez in der Auvergne, liefert Philippe Teulier mit seinen beiden MARCILLAC-Weinen ein Paradebeispiel solcher absolut unkitschigen Weine.
2006 Domaine du Cros "Lo Sang del Pais"
(Fer Servadou), Marcillac AOC
Nicht weit von Conques, einem Kleinod mittelalterlicher französischer Sakralkunst, befindet sich die noch immer fast gänzlich unentdeckte Rotweinappellation Marcillac. Auf vom Eisenoxyd rotgefärbten Böden der westlichen Zentralmassivausläufer, in eher kühlem Klima, das jedoch durch günstige kleinklimatische Bedingungen dem Weinbau geneigt ist, wird eine der wenigen ganz autochthon gebliebenen Rebsorten Frankreichs angebaut: die FER SERVADOU oder Mansois, wie sie in der Region auch genannt wird. Ihr eigenwilliger Charakter ist bestimmt durch tiefe Farbintensität, präsente, vom taktilen Eindruck her jedoch feinkörnige und wenig adstringierende, milde Gerbstoffe, und eine oft ausgeprägte, intensive Himbeerfrucht. Zu ihr gesellen sich durch den Boden geprägte mineralische Noten, die dem Rotwein ein aufregendes und spannungsvolles Gepräge im Zusammenspiel mit seiner würzigen Frucht geben. Das Ganze, im Eindruck eher als kühl und elegant aber gar nicht abweisend Empfundene, wird durch feine Geschmeidigkeit im Mund vervollständigt und abgerundet. Ein sehr origineller und eigenständiger Wein.
7,95 € JUBILÄUMSANGEBOT im NOVEMBER 6,95 €
(1L= 9,27)
(inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten)
________________________________________
2004 Domaine du Cros "Vieilles Vignes"
(Fer Servadou), Marcillac AOC
Deutlich mehr in die Tiefe geht die Cuvée aus Trauben alter Rebstöcke, deren älteste mehr als 90 Jahre alt sind. Wäh-rend der "kleine" Wein 15 bis 20 Tage auf der Maische vergärt, dauert es hier mit 30 Tagen fast doppelt so lange, bis der junge Wein von den Schalen getrennt wird. Entsprechend mehr Stoff wird aus den Trauben extrahiert. Aromen dunkler Beeren wie Blaubeeren, Brombeeren und Cassis sowie Süßholz- und Gewürznoten bestimmen den Duft. Der Ausbau in Fudern von 25 Hektolitern während 18 Monaten lässt den Wein sich entwickeln. Drei bis vier Jahre später, jetzt also, beginnt er seine Hochform zu zeigen und passt zu Linsengerichten, geschmortem Ochsenschwanz oder Lamm.
Falls Sie es schaffen, mit dem Öffnen der Flasche noch 3 bis 4 Jahre zu warten, wird der Wein mit einem Kalbsbraten, begleitet von Morcheln in Sahne, ein Festessen. Und, jetzt, wie später: beide Weine schmecken besser, wenn man sie mit ca. 15° trinkt.
10,50 € JUBILÄUMSANGEBOT im NOVEMBER 9,30 €
(1L= 12,67)
(inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten)
|