Bordeaux: Denis Dubourdieu
Anders als viele entpersonalisierte Weine des „modern winemaking“ mit ihrer immer gleichen, so verführerischen Molligkeit, ihrer Überextraktion, ihren zurechtgeschneiderten Tanninen und ihrer geschmacksverstärkten Aromatik, kurz, mit ihrem ermüdenden und saturierten Charakter, der die Genußsüchte von mit Nuss-Nougat-Cremes und Pommes Rot/Weiß gefütterten Zeitgenossen befriedigt - Weine also, die, ins Bildhafte übersetzt, irgendwo zwischen tiefergelegtem Golf und Silikonbusen angesiedelt wären -, bieten Bordeauxweine eigentlich Anderes. Sind sie nach den Regeln der Kunst gemacht und danach, womit sich Bordeaux gegenüber anderen Regionen auszeichnet, so findet man in ihnen Fruchtigkeit, Ausgewogenheit, eine zarte, feine Säure, einen vernünftigen Alkoholgehalt, Charme, Fülle, viel Finesse und eine gewisse Nervosität. Ein guter roter Bordeaux ist niemals zu stark bepackt, weder mit Alkohol, noch Tannin, er ist weder zu schwer, noch zu exzessiv. Gegenüber sehr vielen Weinen anderer Herkünfte gesellt sich dazu die Fähigkeit, sich zu entwickeln und mit Gewinn zu altern.
Solche Weine macht auch Denis Dubourdieu, der als wissenschaftlich arbeitender Weißweinexperte der Universität Bordeaux, wie als Winzer bekannt ist. Aber auch seine Rotweine, die das oben Beschriebene bestätigen, sind zu entdecken.
Und wer glaubt, Bordeauxweine seien überteuert, kann sich hier vom Gegenteil überzeugen.
2000 Château Reynon - Vieilles Vignes, blanc sec, Bordeaux A.C., Denis et Florence Dubourdieu
Seit dem Jahrgang 98 fügt Dubourdieu dem Reynon blanc weniger Presswein hinzu, was den Wein weiter verfeinert hat.
In der Nase geprägte Frucht, mit Noten von Mandarine, am Gaumen intensiv, fein, „très sauvignon“; sehr duftig mit Tiefe, viel Mandarine im Finale. Ein schöner Wein bei dem der Winzer es verstand, den warmen, weichen, trockenen Weißweinen nicht zuträglichen Charakter des Weinjahres 2000 zugunsten von viel Geschmacksfrische zurücktreten zu lassen. (Für Jean Marc Quarin, dem neben René Gabriel zur Zeit wohl kompetentesten Bordeaux-Verkoster, ein Weißwein gleichauf mit Larrivet Haut-Brion und Lamartic Lagravière.)
1999 Clos Floridene - blanc sec, Graves A.C.,Denis et Florence Dubourdieu
Als Denis Dubourdieu und seine Frau Florence im Jahr 1982 einen von einer Mauer umschlossenen Weinberg bei Pujols sur Ciron, nahe Barsac, kauften, wählten sie die Verbindung ihrer beiden Vornamen um dem Wein einen Namen zu geben: „Floridene“. Ziel war es, einen Weißwein zu machen, der in die Spitzengruppe weißer Bordeauxweine vorstoßen sollte.
Dies ist inzwischen erreicht. Obwohl nicht aus Pessac-Leognan stammend, der Gemeindeappellation für große Weine von großer Originalität im nördlichen Graves-Gebiet, wird dieses Cru inzwischen wie die Grand Cru Classées von den bordelaiser Handelshäusern in die Vorverkaufslisten aufgenbommen und „en primeur“ angeboten - ein Verfahren, das nur den sicheren Werten großer Weine vorbehalten ist. Ein fast rebsortenreiner, vorbildhafter Sauvignon, der mit großer Könnerschaft im kleinen Holzfass ausgebaut ist: Intensiv nach Pampelmuse, Mandarine und weißem Pfirsich duftend, im Mund ausgeprägt fruchtig, würzig mit viel mineralischem Einschlag, gestützt von saftiger Säure. Finale mit Nerv und großer Länge.
1999 Château Reynon - rouge, Premières Côtes du Bordeaux A.C., Denis et Florence Dubourdieu
Ein für den Jahrgang überraschend voller, dabei ausgesprochen feingliedriger Bordeaux mit vielfruchtigem Bukett, dessen aromatische Konzentration sich im Mund, begleitet von Struktur, Ausgewogenheit und Luftigkeit, fortsetzt; Geschmacksnoten von Röstbrot, Kaffee und reifen Früchten. Hier, wie auch beim Floridene und dem Cantegril, zeigt sich die Könnerschaft Dubourdieus für elegante, bald trinkfertige Weine mit expressiver Aromatik und großer Atrraktivität, die der Fähigkeit zu altern, dennoch gelassen ins Auge sehen können.
1999 Clos Floridene - rouge, Graves A.C., Denis et Florence Dubourdieu
Zuerst und vor allem ist dieser 99er ein Beispiel kompletter Harmonie, die sich zwischen Tannin und Fleisch zu einem runden, warmen und eleganten Ganzen fügt. Feine, vielfältige Fruchtnase, saftig und frisch am Gaumen, guter Fond, so, wie Bordeauxweine sein sollen.
1999 Château Cantegril - rouge, Graves A.C., Dubourdieu/Mansencal
Das Château gehört dem Vater von Denis, Pierre Dubourdieu (der auch Besitzer von Château Diosy-Daene /Grand cru Classé, Sauternes ist) und seiner Frau, einer geborenen Mansencal. Der Wein allerdings wird von Denis Dubourdieu vinifiziert und trägt seine Handschrift mit dem Akzent auf Frucht, Feingliedrigkeit und Saftigkeit. Durch einen etwas höheren Merlot-Anteil bedingt, fehlt ihm vielleicht die ausgesprochene Feinheit des Floridene, dafür aber ist besonders „trinkfreudig“.
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