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DIE

"SPINNING CONE COLUMN"

ODER AUCH:

SCHLEUDERKEGELKOLONNE

 

STELLEN SIE SICH VOR, Sie mögen Sport. Und Sie haben einen Lieblingssportler, einen Champion, einen Sieger, einen Meister aller Klassen. Vielleicht ist es aber auch einer, der immer nur zweiter wird, und den Sie gerade deswegen schätzen. Plötzlich erfahren Sie, dass der Bursche positiv getestet wurde. Er war gedopt, er hat Mittelchen genommen, er hat sich aufgeputscht, sich nach Rezept verändert und sich gegenüber Anderen Vorteile verschafft. Werden Sie den weiterhin bewundern?

STELLEN SIE SICH VOR, Sie mögen Wein. Sie haben einen Lieblingswein (oder auch mehrere), einen der Ihnen schmeckt, der Sie zu vielfältigen Gelegenheiten erfreut und auf angenehme Art Ihre Vorlieben bedient, den Sie guten Freunden schenken. Plötzlich erfahren Sie, der Bursche ist gedopt, ihm werden Mittelchen gegeben, man putscht ihn auf, er wurde nach Rezept verändert und ihm wurden Vorteile verschafft.

Er hat sich nämlich in der Schleuderkegelkolonne aufgehalten, einem recht komplizierten Apparat, mit dem man den Wein fraktionieren, also in seine Hauptbestandteile zerlegen kann und diese, je nach Gusto und Vorstellung seines jeweiligen Herrn und Schöpfers wieder neu aber auch anders zusammensetzen kann. Durchaus mit fremden Zutaten versehen, wie anderer Säure, anderem Gerbstoff, einem bisschen mehr oder weniger an Farbe oder Alkohol - sogar das Hinzufügen von (anderen) Aromen ist möglich.

Würden Sie sowas weiterhin gerne trinken?

Wenn nicht , müssen Sie in Zukunft aufpassen, dass sich solche Weine nicht unerkannt auf Ihrem Esstisch breit machen. Das gerade ratifizierte Weinhandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Amerika sieht nämlich Möglichkeiten vor, Wein auf diese Art zu manipulieren. In einigen überseeischen Weinländern - nicht nur in Amerika - werden sie bereits genutzt. Eine Kennzeichnungspflicht für so traktierte Weine besteht ausdrücklich nicht. Einer nie gekannten Manipulation sind Tür und Tor geöffnet.

Es lebe der postmoderne Wein!
Prost Kunstwein!

Aber es gibt Möglichkeiten, dem zu entgehen: Kaufen Sie Ihre Weine beim Weinfachhandel. Dessen adäquate Partner sind fast immer kleinere, überwiegend handwerklich arbeitende Produzenten, die eigenständige und charaktervolle Weine machen. Ökonomisch sind sie für Verschlimmbesserungen mit solchen in Rede stehenden Apparaten zu schwach - eine solche Maschine kostet Geld! Und schon von der Haltung zu seinem Produkt her, wäre ein Einzelwinzer im Prinzip dafür nicht der richtige Protagonist. Denn, um ein Beispiel zu nennen: Welcher selbständige, von seinen Fähigkeiten überzeugte Möbeltischler, würde auf die Idee kommen, sein Heil in der Massenproduktion von Billy-Regalen zu suchen?

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Ambitionierte Einzelwinzer arbeiten stattdessen mit den Bedingungen, die ihnen Boden, Klima und Rebsorten vorgeben und schreiben sich schließlich mit ihrem eigenen Stilempfinden ihrem Wein ein. Das ist eine Tätigkeit, die häufig Handwerk mit Kunst verbindet. Ein Fachhändler, der seine Arbeit gut macht, nimmt diesen Reichtum an Originalität, Vielfalt und Differenz auf und gibt ihn an seine Kunden weiter. Er kann so dem Weintrinker Weine anbieten, von denen der bislang noch gar nicht wusste, dass sie ihm gefallen und dass er sie haben wollte. Hierin liegt unsere Stärke.