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Alain Brumont… oder das Wunder des Madiran

Schon Mitte der achtziger Jahre hat Vinum die überragende Qualität und das Potenzial der Weine von Alain Brumont erkannt. Den 1985 Montus Prestige aus hundert Prozent Tannat machte damals zum ersten Mal der aus Holland stammende Kellermeister Hans Hylkema, Dubourdieu-Schüler und späterer Kellermeister von Chateau Roquefort. Die Revue de Vins de France schrieb darüber: „Hans der rothaarige holländische Kellermeister ‚a fait des merveillesʻ“! Damals hatten es Weine dieser Art allerdings in Deutschland noch schwer: zu kompliziert, zu ungeschliffen und zu tanninreich waren sie und so kam es, dass die Weine leider nach drei Jahrgängen wieder aus dem Sortiment verschwanden. 

Nun durfte ich vor zwei Wochen an einer fantastischen Weinprobe im Restaurant Markus Semmler teilnehmen, dem „Rendezvous des Icônes“! Gastgeber war Alain Brumont persönlich, es gab zehn wunderbare Weine zu verkosten – blind! Fünf Weine von Brumont waren darunter, aber auch andere Stars wie La Chapelle, Château Palmer und Vega Sicilia waren dabei. Der Weinhimmel also! Drei Weine von Brumont schafften es unter die fünf besten Weine der Probe, Gewinner der Blindprobe war der 2002er Château-Montus Prestige.

Aus der frühen Zeit Mitte der achtziger Jahre existierten bei Vinum immer noch einige wenige Flaschen, die, während der letzten Jahre nach und nach geöffnet, Beweis waren für Langlebigkeit und Größe. Nachdem wir schon jahrelang immer wieder um die Weine von Alain Brumont herumgestrichen waren, freuen wir uns, dass wir sie Ihnen nun wieder anbieten können. Die Zeit ist reif dafür! Glücklicherweise konnten wir uns auch vom Gewinnerwein noch ein paar Fläschchen sichern!

Die Geschichte des äußerst agilen kompromisslosen Alain Brumont ist spannend. 1980 machte er sich 33-jährig von der Familie unabhängig und kaufte Château Montus. Nach einem heftigen Streit mit seinem Vater löste er sich so zunächst gleichzeitig von Château Bouscassé, dem langjährigen Familienweingut und ging eigene Wege. Hierzu gehörte einiges an Hartnäckigkeit: er besaß keinen einzigen Centime nach dem Krach mit der Familie. Zudem war sein Vater einer der Vorsitzenden des lokalen Credit Agricole und dadurch wurde ihm schlichtweg ein Kredit verweigert. Durch viel guten Willen eines Bankbeamten bekam er trotz fehlender Sicherheiten in einer weiter entlegenen Stadt von einer anderen Bank dann doch das nötige Startkapital.

Alain Brumont arbeitete hart, er war der erste und der letzte im Weinberg und entwickelte etwas, was er selbst eine „Sucht für Terroir“ nennt, er war steinverrückt, terroirverrückt. Er lebte mehr auf dem Planeten Wein als auf dem Planeten Erde, grub tags und nachts die Erde auf seinen Weinbergen um, um den Boden vollständig zu verstehen, das beste Terroir für seine Weine zu finden. Bereits sein erster Jahrgang, Château Montus 1982 hat viele seiner Brüder und Schwestern aus dem Madiran in regionalen Proben und Wettbewerben überragt. Das Debut des Cuvée Prestige im Jahr 1985 allerdings hat das Gefüge in der Weinwelt zum Wanken gebracht – 300 Jahre Dominanz von Burgund und Bordeaux wurden mit einem Mal durchbrochen. Alain Brumont war stolz, seine Weine auf einer Stufe mit hoch dekorierten Burgundern und Bordeaux zu sehen, etwas, was niemand erwartet hätte und was deshalb einem Paukenschlag gleichkam. Ihm schlug nicht nur Bewunderung entgegen, auch Missgunst, insbesondere weil er mit blutjungen Rebstöcken arbeitete und viele Neider behaupteten, dass er damit nicht diese Qualität erzeugen könne.

Inzwischen ist all das Vergangenheit, der Name Alain Brumont wird verbunden mit exzellenten Weinen, das Versprechen des Anfangs hat er gehalten! Er erkämpfte einige Rechte, nicht nur für sich, sondern auch für die gesamte Appellation bei den lokalen Weinaufsichtsbehörden, wie bspw. die Möglichkeit, 100% Tannat-Weine abzufüllen zu Zeiten, als es noch Pflicht war, einen größeren Anteil an Bordeaux-Trauben wie Merlot und Cabernet Sauvignon im Wein zu haben um ihn als Appellation Madiran verkaufen zu dürfen! Alain Brumont hat mit niedrigen Erträgen gearbeitet als die Winzer links und rechts es noch für unverantwortlich hielten, soviel auszuschneiden und „wegzuwerfen“! Er hat nie einen Wein chaptalisiert, noch hat er je Säure zugesetzt. Für seinen verschwenderischen Umgang mit neuem Holz wurde er häufig kritisiert – Alain Brumont setzt dem entgegen, dass „Tannat Holz frisst“. Und – aus unserer Perspektive stimmt es. Inzwischen bewirtschaftet Alain Brumont auch wieder Château Bouscassé, wo er aus ursprünglich 17 Hektar insgesamt 120 Hektar machte.

Dieser Qualitätsfanatismus ist Alain Brumont, inzwischen 68 Jahre alt, heute noch eigen. Seine Weine rangieren ganz oben im Vergleich mit den besten der Appellation: tiefgründig, lagerungsfähig, fabelhaft strukturiert und voller Autorität sind seine opluenten kantigen Montus-Weine, die von kargen steinigen mit großen runden Kieseln versetzten Böden bei Castelnau-Rivière-Basse im Departement Haute-Pyrénées kommen. Die sich davon klar unterscheidenden weicheren, eleganteren aber auch frischeren Weinen von Bouscassé (kalksteinhaltige lehmige Böden bei Maumusson-Laguian im Departement Gers) entstehen nur einige Kilometer entfernt und sind doch so anders.

Madiran wird übrigens nachgesagt, der gesündeste Rotwein der Welt zu sein aufgrund seines hohen Gehaltes an Antioxidantien! Die Lebenserwartung im Gers liegt für Männer bei 80 Jahren. Die wundersame Geschichte des Alain Brumont ist also noch lange nicht vorbei!

Informationen teilweise angelehnt an „The Decanter Interview: Alain Brumont“ von Andrew Jefford vom 15.04.2011

Text: Catharina d’Aprile


2014 Brumont Blanc 0,75 l 9,90 € (1 Liter = 15,86)

2012 Brumont Rouge 0,75 l 9,90 € (1 Liter = 15,86)

2009 Château Montus 0,75 l 25,00 € (1 Liter = 15,86)

2009 Château Bouscassé 0,75 l 19,90 € (1 Liter = 15,86)

2009 Château Bouscassé 1,5 l 45,00 € (1 Liter = 15,86)

2007 Château Bouscassé Vieilles Vignes 0,75 l 39,00 € (1 Liter = 15,86)

2002 Château Montus Cuvée Prestige 0,75 l 70,00 € (1 Liter = 15,86) – Der Gewinnerwein!