Hans Hylkema und Château Roquefort

Zum Tod seines Freundes Hans Hylkema und über das Château Roquefort hat Andreas Schiechel den folgenden schönen Text geschrieben.

Hans Hylkema und Château Roquefort

Vor gut 30 Jahren, am Beginn meiner Freundschaft mit Hans Hylkema, einem Holländer, der irgendwann in Berlin aufgetaucht war, hatten wir beide allenfalls eine vage Ahnung vom Wein. Wir tranken im Freundeskreis mehr Bier als Wein, wenn wir auch hierbei zwischen gutem und weniger gutem zu unterscheiden versuchten.

In diesen Jahren bereiste Hans Hylkema die Welt. Vom Ende der 60er bis Ende der 70er Jahre bestimmte sein Leben die Abfolge von einem Jahr Arbeit in Berlin, um mit dem verdienten Geld ein bis zwei Jahre lang den Fernen Osten, Indien und Australien zu bereisen. Uns gegenüber, die zu Hause blieben, hatte er etwas voraus.

1981 fasste Hylkema den Entschluss zu etwas ganz anderem: Er schrieb sich an der Universität in Bordeaux ein und begann bei Denis Dubourdieu, einem der bedeutendsten wissenschaftlich arbeitenden Önologen, Weinbau zu studieren. Mit dieser hervorragenden Ausbildung im Rücken und dem Drang, sie optimal umzusetzen, wurde Hylkema Kellermeister bei Alain Brumont auf „Bouscassé“ im Madiran. Dort vinifizierte er u.a. den legendären 1985 Château Montus „Prestige“, über den die „Revue de Vins de France“ später urteilte: Hans, der holländische Kellermeister „ … a fait des merveilles“.

Seine große Liebe galt indessen dem Weißwein. Also ging er nach Bordeaux zurück und fing 1988 als chef de culture und maitre de chais auf Château Roquefort im Entre-Deux-Mers an. Hylkema, der von seinem eigenen Qualitätsanspruch getriebene Perfektionist, begann das Weinmachen dort gleich mit einem Paukenschlag. Sein 1988 Roquefort Blanc Barrique erhielt 1991 auf der Vinexpo in Bordeaux die „Trophée de la Qualité – Prix d‘Honneur“. Die vielen Preise und hohen Bewertungen, die die von ihm gemachten Weine in der Folgezeit erfuhren, finden sich im Guide Hachette, in der Revue de Vins de France, im Gault-Millau, im Decanter, bei „essen & trinken“, Parker, Paula Bosch und vielen anderen dokumentiert. Realisiert jedoch hat sich die hohe Qualität seiner Weine im großen Zuspruch, den sie u. a. bei Ihnen, den Vinum-Kunden, gefunden haben. So ist der weiße Château Roquefort beispielsweise seit Jahren der meistverkaufte Wein im Vinum-Sortiment überhaupt. Weil er ein durchaus anspruchsvoller, gleichzeitig „trinkfreudiger“ Wein ist, der wie kaum ein anderer die tägliche Lust auf das tägliche Glas guten Weines befriedigt.

Über all die Jahre hinweg hat mich Hans Hylkema mit Informationen und Wissen rund um den Weinbau in einer Weise versorgt, die sicherlich nicht allen Weinhändlern zugänglich ist. Informationen über „maceration pelliculaire“ „malolaktische Gärung“, oder „Umkehrosmose“ brauchte ich nicht aus Büchern oder Fachartikeln herauszusuchen, sondern erhielt sie zusammen mit Tips und Empfehlungen über andere Winzer und ihre Weine – auch außerhalb des Bordelais – auf der Terrasse seines kleinen Hauses, das inmitten der mit Sauvignon bepflanzten Weinberge von Château Roquefort steht: nach der – häufig auch gemeinsamen – Arbeit in Weinberg oder Keller, bei Sonnenuntergang, und am liebsten bei einem Glas Roquefort.

Im letzten Herbst hat Hans Hylkema das letzte mal geerntet und Wein gemacht.
Am 5. Dezember 2000 ist er gestorben.
„Zieh doch mal eine schöne Flasche auf“ hat er oft zu mir gesagt, wenn ich ihn von Berlin aus anrief.

Andreas Schiechel